Die Tage danach

28 06 2010

Schon mehr als 2 Wochen ist es her, dass im Süden Kirgistan heftige ethnische Unruhen ausbrachen. Neben geschätzten 2’000 Toten trieb die Gewalteskalation ca. 400’000 Menschen, v.a. Usbeken, in die Flucht. Ein Teil davon schaffte es über die nahe usbekische Grenze, andere suchten an der usbekischen Grenze, aber noch auf kirgisischem Boden Zuflucht, wieder andere kamen irgendwo bei Verwandten unter. Nachdem die humanitäre Hilfe anfnags nur schleppend anlief (vor allem weil die Sicherheit der Helfer nicht gewährleistet war), so klappt das mittlerweile besser. Hilfe wurde nicht nur aus dem Ausland geschickt, sondern auch von Kirgisen v.a. im Norden des Landes: in Bishkek gab es eine Sammelstelle wo jedermann Hilfsittel liefern konnte. Und auch Unternehmen leisteten Hilfe, darunter „mein“ Bai-Tushum. Die ganze vorletzte Woche war unser Büro mit tonnenweise Lebensmitteln, Medizin, Decken und auch ein bisschen Spielzeug gefüllt.

In den letzten Tagen hat sich die Lage im Süden soweit beruhigt, dass viele Flüchtlinge zurückkehren konnten. Die Spannung in der Luft war aber enorm, befürchteten viele doch neue Gewalt, auch in Bishkek. In den Tagen vor und nach der gestrigen Abstimmung über eine neue Verfassung  musste mit weiteren Störmanövern gerechnet werden. Dass ist auch der Grund, warum Kiva entschied, mich und Eva für ein paar Tage nach Almaty, Kasachstan, zu schicken. Wir sind hier in einer viel sicherern Gegend und können gleichzeitig auch noch einem kasachischen MFI helfen, mit Kiva vertraut zu werden. Wenn es die Lage in Kirgistan zulässt, werde ich Ende Woche zurückkehren. Dass die gestrige Abstimmung scheinbar problemlos über die Bühne ging stimmt mich schon mal sehr zuversichtlich.





Neues aus Kanitverstan

14 06 2010
Brennendes Haus in Osch (REUTERS)

Mikrokredite sind für mich im Moment weit in den Hintergrund gerückt: nicht nur König Fussball macht meinem eigentlichen Hierseinsgrund Konkurrenz, sondern vor allem die politische Situation hier in Kirgistan. Seit der Revolution Anfang April war die Lage angespannt, in der Nacht auf Freitag hat sich die Spannung dann entladen: In Osch, der zweitgrössten Stadt Kirgistans und Zentrum des Südens, eskalierte die Gewalt zwischen Kirgisen und ethnischen Usbeken, die in der dortigen Region eine bedeutende Minderheit stellen: seit drei Tagen ziehen Gangs junger Kirgisen durch die Stadt, plündern, setzen Häuser von Usbeken in Brand, und machen scheinbar systematisch Hatz auf Usbeken: es gab wohl Hunderte Tote, Tausende Verletzte, Zentausende Flüchtlinge. Soweit die traurige Bilanz.

In Bishkek merkt man von all dem nicht viel, es herrschen Ruhe und Ordnung. Aber an viel anderes kann ich nicht denken, ständig informiere ich mich über die neuste Entwicklung im Süden und versuche im Gespräch mit Arbeitskollegen und durch Hintergrundberichte etwas mehr über die Gründe dieser Gewalt zu erfahren. Die Unruhestifter kämen aus dem Lager des Ex-Präsidenten und versuchten, die auf den 27. Juni angesetzte Abstimmung über eine neue Verfassung zu sabotieren (was ihnen wohl gelungen ist, unter diesen Umständen ist an eine geordnete Abstimmung ja nicht zu denken).  Diese Kreise hätten junge Kirgisen, die von einer schwindelerregend hohen Arbeitslosigkeit geplagt sind, angestiftet und mit Alkohol hemmungslos gemacht. Andere weisen auf die Ungleichgewichte zwischen Usbeken und Kirgisen im Süden hin: die Usbeken seien so viel reicher, was einige damit erklären, dass sie stark in den Drogenhandel involviert seien (Osh ist ein wichtiger Umschlagplatz afghanischer und tajikischer Drogen, Seidenstrasse 2.0 sozusagen). Ein angeblicher Überfall von Usbeken auf kirgisische Studenten habe dann das Fass zum explodieren gebracht. Da gerade in dieser Region Kirgistans Klanstrukturen das öffentliche Leben noch immer extrem prägen, scheint sich so manch ein Polizist auch auf die Seite der Randalierer zu stellen, was ebenfalls nicht zur Beruhigung der Situation beiträgt. Überhaupt scheint es die Übergangsregierung in den vergangnenen zwei Monaten nicht ansatzweise geschafft zu haben, Ordnung  diese Region zu bringen…

Was sie genau wollen bleibt verborgen: Gangs in Osch, 2010 (REUTERS)

Was sie genau wollen bleibt verborgen: Gangs in Osch, 2010 (REUTERS)

Wenn jetzt die obige Aufzählung ein wenig wild erscheint, dann täuscht dieser Eindruck nicht. Noch immer blicke ich nicht ansatzweise durch, was nun wirklich die Gründe für diese bürgerkriegsähnlichen Zustände sind. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus einer Vielzahl von Ursachen. Doch reichen „Ursachen“, um solch blinde Gewalt zu erklären? Müsste nicht irgendwo ein handfestes Ziel stehen, für das gekämpft wird? Ich sehe keins. Die impulsive Natur der Kirgisen gepaart mit ein paar Gläsern Vodka kann dazu führen, dass sie unvermittelt und ohne ersichtlichen Grund einem Gewaltexzess verfallen. Die Lage bleibt deshalb absolut unberechenbar: ob das Strohfeuer in einer Woche gelöscht ist oder ob ein Flächenbrand das ganze Land erfasst hat, Prognosen sind wohl unmöglich. Kirgistan kann man nicht verstehen.





Bishkek und der Rest, zwei Welten

7 06 2010

In den ersten vier Wochen meines Aufenthalts in Bishkek hat mich vor allem erstaunt, dass hier die Armut kaum sichtbar ist. Bishkek schien mir manchmal näher an der Schweiz als an Senegal. Wir haben hier derart viele Annehmlichkeiten von denen ich in Afrika nicht mal zu träumen gewagt hätte: In unserer Wohnung haben wir einen Kochherd (verglichen mit einer Feuerstelle in Senegal), heisses Wasser gibts ebenfalls (wobei von Mitte Mai bis Mitte Juli wie jedes Jahr die Wasserleitungen unterhalten werden und nur mit einem speziellen Boiler heisses Wasser möglich ist), das WC funktioniert ohne Probleme, Internetanschluss gehört zur Standardausstattung etc… In den Strassen Bishkeks fahren relativ neue Autos (vorzugsweise BMWs und Mercedes) welche nur einen Bruchteil der Kilometer auf dem Buckel haben, die ihre afrikanischen Pendants abgespult haben. Kurz: In meiner neuen Umgebung scheint es viel mehr Wohlstand zu geben als in Afrika.

Bishkek, mein Kirgistan

Als ich später erfuhr, dass das Pro-Kopf-Einkommen in Kirgistan eines der tiefsten der Welt ist (850 Dollar, was grad mal für den 184 Rang reicht, nur wenige Plätze vor Senegal) fragte ich mich schon, wie diese Tatsache mit meinen Eindrücken in Bishkek vereinbar ist! Verallgemeinerungen gehen als meisten schief, so auch in diesem Fall. Von der Hauptstadt auf den Rest des Landes zu schliessen funktioniert nicht. Gerade in Entwicklungsländern, wo nicht genug Reichtum vorhanden ist um regionale Differenzen auszugleichen, wird dies besonders offensichtlich. Nach einem Besuch in Dakar, der pulsierenden Hauptstadt Senegals, auf den Rest des Landes zu schliessen wäre auch schiefgegangen! Von aussen denkt man halt oft in Länderkategorien und berücksichtigt die massiven regionalen Unterschiede im Land nicht. Und dass das Armutsniveau zwischen den Regionen extrem unterschiedlich ist, zeigt die folgende Grafik:

Dioe Armut differiert extrem zwischen den einzelnen Regionen Kirgistans.

Gründe für diese riesigen Unterschiede kann es viele geben: zum einen liegt Bishkek viel günstiger als die restlichen Regionen (Bishkek liegt 800 Meter über Meer während 94% Kirgistansn über 1000 Meter liegen, mit einer durchschnittlichen Höhe von 2750 Metern!). Zudem hilft Bishkek die Nähe zum Nachbarland Kasachstan, welches schnell wächst und damit viele Absatzmöglichkeiten bringt.

Mikrokredite können dazu beitragen, die Armut in den entlegenen Regionen zu mindern und die eklatanten regionalen Unterschiede abzubauen:  Meine MFI Bai Tushum ist in allen Regionen Kirgistans präsent. Angesichts der obigen Grafik kann es aber nicht erstaunen, dass fast 90% der Kunden in ländlichen Gebieten leben. Mit Mikrokrediten können auch diese Leute erreicht werden, welchen sonst so viele Möglichkeiten verwehrt sind. Auf Kiva kann jeder seinen Beitrag leisten, dass Armut in allen Regionen dieser Länder schwer zu finden wird, nicht nur in der Hauptstadt!





Reiche Ernte in Kirgistan

31 05 2010

Bai Tushum“ (kirgisisch für „reiche Ernte“) heisst die Bank, mit der ich seit 3 Wochen zusammenarbeite. Naja, eine wirkliche Bank sind sie noch nicht, aber nahe dran: nach einem 10-jährigen Prozess von einer Nichtregierungsorganisation wird Bai Tushum wohl in naher Zukunft eine Banklizenz erhalten. Das wird ihnen erlauben, eine breitere Palette an Produkten anzubieten.

Bai Tushum

Wie es sich für ein kirgisisches Unternehmen gehört lehnt sich das Logo an eine Jurte

Bai Tushum ist also viel mehr eine Bank als meine MFI (Mikrofinanzinstitution) in Senegal, Caurie MF, welche ja in erster Linie eine soziale Institution war. Bei Bai Tushum werden Kredite vor allem individuell vergeben (wobei Gruppenkredite an Bedeutung gewinnen, weil man mit ihnen Kunden erreicht, die man sonst nicht erreichen kann → Grund dafür ist, dass bei Gruppenkrediten statt physischer Sicherheiten die Gruppensolidarität als Sicherheit genügt). Vom Konzept von Dorfbanken, welches in Senegal angewandt wurde, könnte man hier nicht weiter entfernt sein: an einer Bankversammlung mit singenden Frauen werd ich hier wohl nie teilnehmen.

Dafür bietet Bai Tushum eine Vielzahl von Krediten an, die auf die Bedürfnisse seiner Kunden zugeschnitten sind: Agrokredite, Kredite für Handel und Dienstleistungen, Konsumkredite, Hypotheken, Leasing usw. Das alles gepaart mit individuell ausgestaltbaren Laufzeiten und Rückzahlplänen, Aber das Beste: für die Zusammenarbeit mit Kiva, die noch nicht begonnen hat, planen wir ein spezielles Produkt mit einem tieferen Zinssatz, um bisher unerreichte Bevölkerungssegmente zu erreichen. Möglich ist dies, da die Kredite von Kiva an die MFIs bekanntlich zinslos gewährt werden. Mit diesem Produkt wird es möglich sein, diesen finanziellen Vorteil direkt an die Kunden weiterzugeben!

Ein weiterer Unterschied zu Caurie MF ist auch, dass die Bank nicht zu den Kunden geht, sondern die Kunden bei einem der 41 Büros von Bai Tushum im ganzen Land vorbeischauen müssen. Das Netz wird ständig feingliedriger und gewisse Transaktionen sind auch bei Partnerbanken möglich, um den Aufwand für die Kunden möglichst klein zu halten. Der Erfolg bei den Kunden gibt Bai Tushum jedenfalls recht: die Anzahl Kunden wächst jedes Jahr stark an, im Moment sind es bereits über 30’000 Aktive.

Jetzt hoff ich, dass schon sehr bald einige dieser Kunden auf Kiva erscheinen, und damit von Leuten aus der ganzen Welt in ihrer Anstrengung, aus der Armut zu gelangen, unterstützt werden!





Neue Stadt, neues Glück

18 05 2010

Seit 10 Tagen bin ich nun also in dieser Stadt namens Bishkek, von der ich vor drei Monaten noch nicht mal wusste, dass es sie gibt. Das hat sich nicht nur wegen meiner Vorbereitung auf meinen Aufenthalt hier geändert, sondern auch durch die Medienpräsenz dieser Stadt in den letzten Wochen aufgrund der Unruhen hier. Ich mag nicht näher darauf eingehen, dafür präsentiert sich das Leben in Bishkek viel zu freundlich, gemütlich, abwechslungsreich, ganz einfach lebenswert. Einen Überblick über die Unruhen der letzten Wochen gibt es hier (englisch). Wer es weniger mit kalten Fakten hat und mehr über Land und Leute und ihre Probleme erfahren möchte, dürfte diesen Artikel aus der NZZ mögen.

Bishkek, KG

Gedenkstätte für die Opfer des Unruhen am Präsidentenpalast

Wunderschön an Bishkek (und in krassem Kontrast zu meine Vorstellung einer grauen Soviet-Stadt) ist schon mal die Tatsache, dass Bishkek die Stadt mit den meisten Bäumen in Zentralasien ist. ‚Die Stadt mit den meisten Bäumen in Zentralasien‘ zu sein mag wie einer dieser unzähligen, von Tourismusbüros gesuchten Superlative klingen, es macht das Leben in einer Stadt aber wirklich angenehm. An jeder Strasse eine Baumreihe, unzählige Parks, da hat der Frühling Gelegenheit, sich von der besten Seite zu präsentieren!

Ebenfalls schön an Bishkek ist, wie viele Lebensstile diese Stadt erlaubt: Es gibt Musikclubs für jeden Geschmack, Restaurants mit Gerichten aus aller Welt (was bei der extrem fleischlastigen kirgisischen Küche manchmal eine ganz angenehme Abwechslung bietet), die Kleidungsstile der Menschen sind individueller, die Aufzählung liesse sich beliebig erweitern. Toleranz ist allgegenwärtig, Einschränkungen sind kaum zu sehen (Religion ist praktisch unsichtbar, die Bishkeker scheinen ein Glas Vodka einem Gebet vorzuziehen).

Alphabet

Buchstabensalat

Zur Abwechslung trägt auch das Erlernen der russischen Sprache bei (neben Kirgisisch ist Russisch Amtssprache). Das Alphabet ist eine Mischung aus lateinischen, griechischen und speziell russischen Buchstaben. Mit ein bisschen Übung gelingt es einem relativ schnell, einzelne Wörter zu lesen (wobei einem deren Bedeutung oftmals verborgen bleibt). Wirklich lustig wird es, wenn man die russische Handschrift lernen will: das ‚d‘ zum Beispiel, das gedruckt wie so eine Art ‚A‘ aussieht, wird dann zu einem ‚g‘! Oder das ‚p‘, das gedruckt noch als halbwegs verständliches Π (pi) daherkommt, wird dann plötzlich ’n‘ geschrieben… Seltsam, aber wenn mans mal kann kommt so ein bisschen das Gefühl hoch, das man als Kind hatte, wenn man eine Geheimschrift entziffern konnte.

Über Kirgistan kann ich eigentlich noch nicht so viel sagen, die Hauptstädte sind wohl vor allem in Entwicklungsländern alles andere als repräsentativ für das Land (Dakar und der Rest von Senegal schienen mir manchmal auf verschiedenen Planeten zu liegen, so eklatant waren die Unterschiede). Meine Tage spielen sich in Bishkek ab, und das wird für den Grossteil der kommenden 11 Wochen wohl auch so bleiben. Immerhin habe ich es letztes Wochenende die nahen Berge besucht: im Ala-Archa Naturreservat kletterte ich mit Eva, Kiva Fellow bei einer zweiten MFI in Bishkek und meine Mitbewohnerin, auf den wohl ’steilsten aller in einem Reiseführer als easy bezeichneten Berge‘. Schön wars auf alle Fälle und die Kirgisen, die wir trafen, waren unbeschreiblich nett, aber ein bisschen fragen kann man sich ja schon, wieso ich für eine solche Berglandschaft ins ferne Zentralasien statt einfach in Engadin gehe…

Berge

Panorama in der Ala-Archa Region





Dakar – New York – Bishkek

3 05 2010

Der Schlussspurt ist vorbei, alle Aufgaben meines Fellowships bei Caurie MF abgeschlossen, alle Freunde in Senegal verabschiedet (ich glaub ich muss wirklich nochmals dorthin zurück, irgendwann!), gereist und geflogen und jetzt bin ich an einem so völlig anderen Ort als Thies dass ich es kaum glauben kann: New York, um ein paar Tage alle Annehmlichkeiten einer reichen Welt zu geniessen: da ist einmal diese unglaubliche Auswahl an Essen, Trinken, Unterhaltungsmöglichkeiten (vor allem das), Shoppingmöglichkeiten, Waschmöglichkeiten… ich bin wirklich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten!

Times Square, New York: hier läuft in einer Minute mehr als in Thies in einem Tag

In zwei Tagen fängt dann schon wieder der Fellow-Ernst-des-Lebens an, um es mal so auszudrücken, dass ihr nicht alle neidisch werden müsst: zwei Tage Reise um in Bishkek, Kirgistan, anzukommen. Dort werde ich bis Ende Juli die zweite Hälfte meines Kiva-Abenteuers „hinter mich bringen“ (um es wiederum so auszudrücken, dass ihr nicht alle neidisch werden müsst, ich geb mir da wirklich Mühe:-). Bai Tushum ist ein Partner von Kiva wie Caurie MF, nur neuer. Ich freue mich auf diese (vor allem auch in sprachlicher Hinsicht) neue Herausforderung und hoffe, dass ich wieder ein wenig mehr zum Bloggen komme!

Eine Würdigung der drei wunderschönen Monate in Senegal folgt dann wenn ich wieder weniger Ablenkung um mich herum habe…





Vetrauen ist gut…

22 04 2010

Punkt! Ok, es ist nun  nicht so, dass MFIs Kredite einzig auf Vertrauensbasis vergeben würden. Aber so viel ich in den letzten Monaten über Mikrofinanz gelernt habe weisen die Methoden eines überwiegenden Teils aller Anbieter von Mikrokrediten folgenden kleinsten gemeinsamen Nenner auf: sie gewähren zuerst einen sehr kleinen Kredit und schauen, ob er ohne Probleme zurückbezahlt wird. Falls ja vergeben sie einen ein wenig grösseren Kredit und schauen, ob er ohne Probleme zurückbezahlt wird. Falls ja vergeben sie einen nochmals ein wenig grösseren Kredit und schauen, ob er ohne Probleme zurückbezahlt wird. Und so weiter und so fort…

Die wichtigste Determinante, ob ein Kunde einen  Kredit erhält, ist somit seine Kredithistorie. Sie zeigt, ob man jemandem mit gutem Gewissen sein Geld anvertrauen kann, ja eben ob man ihm vertrauen kann. Mit Mikrokrediten kann sich jeder und jede einen Ruf als vertrauenswürdige Person erarbeiten. Während diese Informationen bei der einzelnen MFI privat bleiben, trägt sie Kiva in die ganze Welt hinaus: so genügt heute ein Blick auf dieses Profil um sagen zu können, dass Fatim Faye eine zuverlässige Person ist, die sorgfältig mit Geld umgeht und der man daher auch welches anvertrauen kann. Dass sie ihre 15 letzten Kredite zurückbezahlt hat heisst natürlich noch nicht automatisch, dass sie den 16. auch zurückzahlt, aber man kann die Wahrscheinlichkeit doch massiv besser beurteilen wenn man ihre Kreditgeschichte kennt.

"Eben noch in Bousnakh...

...jetzt schon auf der Showbühne!"

Es ist schon ziemlich verrückt, wenn man bedenkt, dass vor 8 Jahren Frau Faye’s Zuverlässigkeit wohl kaum über die Grenzen ihres kleinen abgeschiedenen Dorfes namens Bousnakh hinaus bekannt war und jetzt auf der ganzen Welt! Braucht sie überhaupt noch eine MFI oder könnte nicht auch ich ihr direkt einen Kredit vergeben (mal angenommen in Senegal wären Geldtransfers mit dem Mobiltelefon bereits so einfach wie z.B. in Kenya)? Für welche weiteren Zwecke wird ihr dieses öffentliche Vertrauenswürdigkeits-Zertifikat von Nutzen sein?

Die 337’530 bisher auf Kiva finanzierten Unternehmer haben nicht nur Geld erhalten, sondern wurden oftmals wohl zum ersten Mal öffentlich erwähnt. Mit ihren Rückzahlungen kommen sie nicht nur einer Verpflichtung gegenüber dem Geldgeber nach, sondern sie schaffen sich einen Ruf über alle Grenzen hinweg! Dies kann ihnen und Kiva neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnen, die weit über die jetzigen hinausgehen. Kivas Gegenwart ist interessant, Kivas Zukunft unglaublich aufregend! Werde Teil davon!